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Leadership muss Sicherheit geben

Ein Beitrag von:     Karsten Jänicke
Mitglied des Vorstands
Letzte Aktualisierung: 28.03.2024

Führungskräfte haben die Aufgabe, ihre Mitarbeitenden zum Erfolg zu führen. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist Sicherheit. Ich stelle immer wieder fest, dass sich gerade junge Menschen am Anfang ihrer Karriere nicht trauen, ihre Ideen einzubringen und auch mal etwas zu riskieren. Deshalb frage ich mich immer wieder: Was kann ich als Führungskraft tun, um meinen Mitarbeitenden mehr Sicherheit zu geben?  

Wir leben in unsicheren Zeiten

Wir haben hier im Blog schon oft über die vielen Veränderungen geschrieben, die wir täglich erleben. Und ja, wir leben in wirklich unsicheren Zeiten. Das liegt nicht nur an den vielen Krisen und Problemen der letzten Jahre.  

Vielen Menschen fehlt ein Gefühl der Verlässlichkeit. Wahrheiten und Rahmenbedingungen von heute können morgen schon obsolet sein. Veränderte Arbeitsformen, Digitalisierung und KI, eine zunehmend internationale Welt und steigende Anforderungen machen vielen zu schaffen. 

Warum Unsicherheit so schädlich ist

Das Gefühl der Unsicherheit ist letztlich die Reaktion unseres Körpers auf mögliche Gefahren. Unsicherheit lässt uns zweifeln und macht uns Angst. Im beruflichen Kontext ist das insbesondere die Angst vor Fehlentscheidungen und deren negativen Folgen.  

Selbstzweifel und mangelndes Selbstvertrauen sind die Folge. Wir stehen unter Stress, sind ständig in Alarmbereitschaft. Auch Symptome wie Schmerzen oder gar Panikattacken können auftreten.  

Die Unsicherheit kann dann unseren gesamten Alltag bestimmen und uns vor allem im Beruf extrem behindern. Die Produktivität sinkt, Innovationen werden gehemmt - und da es in einem solchen Umfeld schwierig ist, zu Fehlern zu stehen, leidet sogar die Qualität der Arbeit.

Was Sicherheit psychologisch bedeutet

Schauen wir uns das Gegenteil von Unsicherheit an. Dafür gibt es inzwischen sogar einen etablierten Begriff: Psychologische Sicherheit.  

Die Harvard-Professorin Amy Edmondson definiert ihn so: “Psychologische Sicherheit beschreibt die Überzeugung, dass das Arbeitsumfeld vor zwischenmenschlichen Risiken sicher ist.”  

Das finde ich unglaublich spannend. Denn was bedeutet das eigentlich? Bei psychologischer Sicherheit geht es nicht nur darum, sich vor tatsächlichen Risiken sicher zu fühlen - sondern auch vor den Reaktionen der Kollegen und Vorgesetzten.  

Es geht also um das Vertrauen, Fehler zugeben zu können, Verletzlichkeit zu zeigen und Unsicherheiten zu äußern.  

In einem sicheren Arbeitsumfeld können die Teammitglieder offen sein, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.  

Wie Führungskräfte Sicherheit vermitteln können

Angst zu haben ist menschlich. So sagt auch Amy Edmondson: “Es ist vielmehr Teil der menschlichen Natur, Angst vor Fehlern zu haben. Wir ziehen es vor, mit allen in einer Gruppe einer Meinung zu sein, anstatt offen zu widersprechen.“  

Für psychologische Sicherheit und Teamerfolg müssen wir also nicht nur versuchen, Fehler zu vermeiden, sondern gleichzeitig einen Raum schaffen, in dem es in Ordnung ist, Fehler zu machen. Es liegt also auch an uns als Führungskraft, mit verschiedenen Instrumenten für Sicherheit zu sorgen. Doch wie kann ich das tun?  

Ich habe dazu fünf konkrete Ratschläge für Führungskräfte - und ich versuche selbst, sie so oft wie möglich aktiv umzusetzen. 

1. Steh zu Deinen Fehlern!

Wir Führungskräfte wollen immer möglichst kompetent und selbstsicher wirken. Schwäche zu zeigen scheint gegen unsere Natur zu sein. Aber genau das ist das Problem. Denn eigene Fehler einzugestehen ist ein wichtiger Schlüssel dafür, dass unsere Mitarbeitenden dies auch tun. Deshalb sollten wir Fehler und Schwächen offen und ehrlich kommunizieren. So geben wir Sicherheit und schaffen eine Fehlerkultur.  

2. Stelle viele Fragen – und höre aufmerksam zu!

Uns Führungskräften wird oft nachgesagt, dass wir gerne und viel reden. Aber ein Team besteht aus vielen Menschen, die alle zu Wort kommen müssen. Deshalb frage ich gern und oft. Ich frage nach Unklarheiten, Ideen und Vorschlägen. So ermutige ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich zu äußern.  

Nur wer dann auch zuhört, kann ein echtes Verständnis entwickeln und wirklich erfassen, wo Mitarbeitende Sorgen und Probleme haben.  

Ich achte dabei auch auf Zwischentöne und hinterfrage sie. Denn wer kennt das nicht: Man ist unzufrieden, traut sich aber nicht, es gleich zu sagen. Durch aufmerksames Nachfragen lassen sich solche Situationen oft erkennen und Probleme lösen.  

3. Setze klare Ziele!

Komplexe Sachverhalte und auch Ziele müssen verständlich sein. Auch wenn die Zeit manchmal knapp ist, versuche ich sie mir zu nehmen, um zu erklären, was genau zu tun ist und warum das überhaupt wichtig ist. Mein Vorstandskollege Thomas Sampers hat gerade in einem Beitrag über intelligente Zielsetzung geschrieben. Eine klare Leseempfehlung von mir!  

4. Bleib wertschätzend und ruhig – und drohe nicht!

Wertschätzung und Anerkennung scheinen im Berufsalltag nicht immer selbstverständlich zu sein. Dabei ist es enorm wichtig, immer wertschätzend zu sein und dies auch zu zeigen. Wir Menschen sehnen uns nach Bestätigung und Anerkennung und genau das soll auch mein Team für seine Arbeit bekommen.  

 Und auch wenn etwas nicht so gut gelaufen ist, bleibt das eine wichtige Grundregel. Kritik darf auch wertschätzend sein. Wichtig ist vor allem, ruhig zu bleiben. Es geht also gar nicht, laut oder gar cholerisch zu werden. Und nichts zerstört Sicherheit so schnell wie Drohungen und Sanktionen.  

5. Hinterfrage Dich selbst!

Sicherheit zu vermitteln hat viel mit der eigenen Haltung und Perspektive zu tun. Wer Fehler grundsätzlich bei anderen sucht, wird gerade als Führungskraft nur schwer erfolgreich sein. Mein wichtigster Ratschlag an andere Führungskräfte ist daher: Hinterfrage Dich kontinuierlich selbst. Damit meine ich keine zerstörerischen Selbstzweifel. Es geht darum, die eigene Verantwortung zu erkennen. Waren meine Erklärungen oder die Zielsetzung vielleicht unklar? Habe ich zu Problemen beigetragen? Was kann ich selbst tun? Diese Form der Selbstreflexion verändert unglaublich viel.  

Unternehmen profitieren von Sicherheit

Teams brauchen Sicherheit, um Spitzenleistungen zu erbringen und Innovationen zu entwickeln. Mitarbeitende brauchen Sicherheit, um Neues wagen zu können. Nur so können sie innovative Arbeit leisten.  

E s sind daher gerade die Unternehmen, die von psychologischer Sicherheit profitieren. Es geht also um weit mehr als ein vermeintliches Wohlfühlthema.  

In einem sicheren Umfeld steigen Effizienz und Produktivität. Durch eine offene Fehlerkultur lernen alle von den Erfahrungen der Teammitglieder und das gesamte Team wird immer besser.

Starke Führungskräfte geben Sicherheit

All das macht deutlich: Sicherheit ist eine ureigene Führungsaufgabe. Führen bedeutet für mich vor allem, Verantwortung zu übernehmen, insbesondere für mein Team. Sicherheit kommt nicht von selbst, sie muss aktiv gestaltet werden. Psychologische Sicherheit erhöht die allgemeine Zufriedenheit, aber auch die Arbeitsleistung und die Motivation. Darauf basiert der Erfolg des gesamten Teams, aber auch mein eigener.