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    Naturnah auf allen Ebenen – wie das Naturalis Biodiversity Center seine Geschichte architektonisch inszeniert

    Im südholländischen Leiden erweitern die Neutelings Riedijk Architects das Naturalis Biodiversity Center. Das nationale Forschungszentrum mit angeschlossenem naturhistorischem Museum ist um einen expressiven Neubau gewachsen, der die biologisch-geologische Sammlung im Innenraum nach außen trägt.

    Erst 2019 hat das Naturalis sein Antlitz grundlegend verwandelt. Dem kombinierten Forschungs- und Ausstellungszentrum, das in den vergangenen Jahren stetig an Forschern, Besuchern und Exponaten wuchs, ist es ein Bedürfnis, das Bewusstsein für Artenvielfalt und Vergänglichkeit in der Natur zu stärken. Die niederländischen Architekten Neutelings und Riedijk haben diese Botschaft nun baulich umgesetzt. „Das Design ist ein nachhaltiges Ensemble aus bestehenden und neu geschaffenen Gebäuden, in dem jede Funktion eine besondere Form erhält“, erklärt das Architekten-Duo zu dem jüngst fertiggestellten Projekt. An das 1820 von König Willem I. gegründete nationale Institut für Biodiversität fügt sich nun ein Komplex aus vier rechteckigen Blöcken und einem 36 Meter hohen Atrium. Dahinter verbirgt sich das Museum, dessen Gestalt an einen Exkurs in die Erdgeschichte erinnert – Schicht um Schicht kann man den Räumen regelrecht beim Wachsen zusehen. Die Gesteinsschichten aus Travertin werden unterbrochen von weißen Betonfriesen, entworfen von der niederländischen Modedesignerin Iris van Herpen. Sie ließ sich inspirieren von den Formen der Gesteine und gestaltete insgesamt 263 seidig glatte Paneele, die nun die Innen- und Außenfassaden schmücken. Der Travertin wiederum habe über ganze Erdzeitalter hinweg Kristalle entwickelt, die nun funkeln; erst beim Schnitt offenbare das Gestein zudem seine Farbe und seinen natürlichen Charakter und füge sich damit so gut in das Konzept des Naturalis, meint Riedijk.

     

    Umrahmt von einer dreidimensionalen Betonstruktur aus oval, drei- und sechseckig ineinander greifenden Molekülen, die ein Blattmuster formen, wird das Atrium gekrönt von einem durchbrochenen Dach. Schützend legt es sich über das Ensemble aus neuen und alten Gebäudeelementen und stattet den weiten Innenraum mit einem Maximum an Tageslicht aus. „Der Fokus liegt auf Transparenz und Verbundenheit“, erklärt Riedijk. Das passt. Denn so schufen die Architekten einen neuen Raum, in dem sich Forscher und Museumsbesucher begegnen. Hier sind inzwischen rund 42 Millionen Objekte aller Naturbereiche ausgestellt.

     

    Der Aspekt der Nachhaltigkeit reiht sich dabei ganz selbstverständlich in das Konzept: Fassaden und Museumsinneres sind aus nachhaltigen Materialien gefertigt, neben einer energieeffizienten Klimaanlage ist ein Erdwärmepumpensystem installiert, und auf dem Dach sind 240 Solarpaneele sowie Grünflächen eingerichtet.