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    Drei architektonische Highlights aus … Genf

    Von der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) über die Internationale Organisation für Normung (ISO), vom Weltwirtschaftsforum (WEF) über die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) – über 100 internationale Organisationen gastieren seit den 1920er Jahren in Genf und haben das architektonische Bild der knapp 500.000 Einwohner starken Stadt maßgeblich verwandelt. Doch auch darüber hinaus bemüht sich die Schweizer Metropole um ein weltoffenes Gefühl. Die großzügigen Bauten legen Wert auf eine hohe Symbolkraft, denken jedoch auch immer häufiger Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein mit. Wir stellen drei von ihnen vor.

    OMM (Weltorganisation für Meteorologie)

    Jahr der Eröffnung:1999

    Architekten: Rino Brodbeck & Jacques Roulet

    Das fällt auf: Über eine Länge von 120 Metern erstreckt sich der schiffsförmige Bau der Weltorganisation für Meteorologie (OMM) aus Glas, Stahl und Aluminium zwischen Völkerbundpalast und Genfer See und sticht mit seinen neun Stockwerken unverkennbar im Genfer Stadtbild hervor. Die Konstruktion spielt auf das Arbeitsfeld der OMM an, die sich mit den Wirkungen der menschlichen Aktivität auf die Umwelt beschäftigt. Form, Farben und Baumaterialien zeigen einen Hauch Zerbrechlichkeit, die an den empfindlichen Zustand der Welt im 21. Jahrhundert erinnert, symbolisieren aber mit ihren runden, weichen Formen auch die Offenheit, Transparenz und Mobilität von Menschen und Informationen. Besondere Aufmerksamkeit geben Brodbeck und Roulet der Energieeffizienz ihres Baus: Die Doppelglasfassade wirkt entlang der Nordseite wie ein Schutzschild gegen kühlen Wind; an der Südseite passen sich horizontal gesetzte Glaspaneele flexibel der Außentemperatur an. Das mit Bewegungssensoren ausgestattete Lichtsystem reagiert auf verfügbares Tageslicht.

    Konferenzsaal der WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum)

    Jahr der Eröffnung: 2014

    Architekten: Behnisch Architekten

    Das fällt auf: Wie ein Gelenk fügt sich der maximal dreigeschossige Konferenzsaal der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) zwischen Haupt- und Verwaltungsgebäude ein. Mit dem Augenmerk auf das traditionsreiche Baumaterial Holz gerichtet, hebt sich der Saal deutlich von den gläsernen Gebäuden des Genfer UNO-Quartiers ab und unterstreicht den Wunsch der Bauherren nach Nachhaltigkeit. Die Oberfläche des Baus hüllt sich weitgehend in Schindeln aus heimischem Lärchenholz; nur die schmale Nord- und Südseite geben dank Verglasungen den Blick auf die Stadt und das Mont Blanc-Massiv frei. Dahinter verbirgt sich im Innenraum eine holzverkleidete Landschaft auf verschiedenen Ebenen, verbunden mit Treppen und Rampen. Um die Lasten des auskragenden Saals, der über dem Platz der Nationen zu schweben scheint, aufzufangen, haben die Stuttgarter Behnisch Architekten ein Tragwerk aus bis zu 30 Meter langen Hohlkastenelementen und Fachwerkträgern entwickelt.

    Musée d’ethnographie

    Jahr der Eröffnung: 2014

    Architekten: Marco Graber und Thomas Pulver

    Das fällt auf: Seine Extravaganz gewinnt das Genfer Museum für Ethnographie vor allem dank des sechs Meter weit auskragenden Vordaches, das spitz in die Höhe verläuft und sich wie ein geflochtener Metallhügel aus dem Genfer Quartier des Bains abhebt. Form und Material verweisen auf die ungewohnten und ungekannten Bauten anderer Kulturen, die das Museum seinen Besuchern vermitteln will. Dieser oberirdische Teil des Museums wurde 2014 fertiggestellt und blickt auf eine weite Esplanade, die nicht nur Museumsvorplatz, sondern zugleich öffentlicher Park und Schulhof ist. Die mehr als 2000 Quadratmeter große stützenfreie Ausstellungsfläche sowie ein Auditorium liegen unterirdisch unter dem Pausenhof. Das aluminiumverkleidete Dach aus dreiecksförmigen Trägern mit Fachwerk liegt über geschlossenen Giebelwänden aus Sichtbeton. Dazwischen verbergen sich Dreiecksfenster, die die im Obergeschoss gelegenen Büroräume mit Licht fluten. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade aus einer Stahlbetonwand, Glaswolle, einer Luftschicht und den Aluminiumblechen trägt zu einem guten Raumklima mit geringen Temperaturschwankungen bei. Mit seiner zentralen Heizanlage aus drei Luft / Wasser-Wärmepumpen und einem Gaskessel versorgt sich das Museum zu 75 Prozent aus erneuerbaren Energien.