Oiwa Island 2, 360°-Panorama, Oscar Oiwa

Alle drei Jahre findet in Japan die Setouchi Triennale statt. In den Küstenstädten Takamatsu und Tamano sowie auf zwölf umliegenden Inseln des Seto Binnenmeeres wollen die Initiatoren mit diesem Kunstfestival auf den Strukturwandel und die damit verbundene sinkende Bevölkerungszahl aufmerksam machen, von der die Region stark betroffen ist. Viele der über 150 ausgestellten Kunstwerke bespielen leerstehende Gebäude – wie zum Beispiel die Arbeit „Oiwa Island 2“, die der in Brasilien geborene und mittlerweile in New York lebende Künstler Oscar Oiwa 2016 in der Lagerhalle einer ehemaligen Sojasaucen-Fabrik auf der Insel Shodoshima installierte. Er platzierte in der Halle eine aufblasbare Kuppel aus PVC mit einem Durchmesser von rund sechs Metern, deren innere Haut er mit einem simplen schwarzen Filzstift bemalte. Als Motiv stand die malerische Landschaft der Umgebung Pate: ein schmaler Küstenstreifen mit üppiger Vegetation und markanten Bergen im Hintergrund, die an einer Seite als Steilküste ins Meer abfallen. Schon einige Jahre zuvor hatte er diese Idee in anderer Art umgesetzt, nun aber durch neue Zeichnungen erweitert. Eine davon ist eine bescheidene Hütte. Sie hebt sich vor dem Hintergrund der beeindruckenden Landschaft ab. Ihre Tür ist zugleich der Ein- und Ausgang in diese Installation. Durch unterschiedliche Linienstärken bis hin zu komplett ausgemalten Flächen gelingt es Oiwa, dem 360°-Panorama zusätzliche Tiefe zu geben. Letztlich bleibt nur die Frage, was mehr beeindruckt: Sein Kunstwerk oder das Original, draußen an der Küste.

Oscar Oiwa auf der Setouchi Triennale