Die Orangerie im Barockgarten der Gl. Holtegaard Galerie – Lenschow & Pihlmann

Ein temporärer Pavillon für eine barocke Gartenanlage – dafür schrieb die Gl. Holtegaard Art Gallery in Holte, Dänemark zusammen mit der Dänischen Kunststiftung und dem Dänischen Architektenverband im Januar 2015 einen Wettbewerb aus. 107 Arbeiten von Architekten, Landschaftsarchitekten, Designern und Künstlern wurden eingereicht. Vier davon erhielten einen Preis, vier weitere eine lobende Erwähnung. Der Wettbewerb ist Teil einer Ausstellungs-Trilogie, die für die folgenden drei Jahre die Errichtung von jeweils einem Pavillon vorsah.

Einer dieser Pavillons ist die „Orangeri“ von Lenschow & Pihlmann, einem 2014 gegründeten Büro aus Kopenhagen. Der Entwurf schafft eine Brücke zwischen dem Barock und unserer Zeit durch die Neuinterpretation eines emblematischen Gebäudes aus jener Zeit: Francesco Borrominis Kirche San Carlo alle Quattro Fontane in Rom. Die von 1638 bis 1677 erbaute Kirche mit ihrem ganz in Weiß gehaltenen Innenraum gilt als erstes Hauptwerk des römischen Hochbarock. Borromini bediente sich einfacher geometrischer Formen, um die komplexe Struktur des Raums zu entwickeln. Der Grundriss basiert auf einer langgezogenen Ellipse, an die jeweils zwei Halbkreise und zwei Halbellipsen angegliedert sind, die den Eingang und drei Nischen bilden. Der Architrav nimmt diesen Grundriss in der Höhe wieder auf und trägt die vier verzogenen Pendentifs, auf denen die langgezogene Kuppel mit einer achteckigen Laterne als Abschluss sitzt. Der rhythmische Wechsel von konvexen und konkaven Formen bietet eine spannende Dynamik und verleiht dem Bau seine beeindruckende Schönheit.

Der Pavillon der jungen, dänischen Architekten lehnt an die Grundstruktur von Borrominis Kirche an. Der Bau entwickelt sich als filigranes Stahlskelett über drei gestaffelte Abschnitte in die Höhe. Die Außenhaut bildet eine starke weiße Kunststofffolie, eine Schrumpffolie, die üblicherweise in der Automobilindustrie oder im Schiffsbau Verwendung findet. Der Innenraum wird, wie der Name bereits vermuten lässt, als Orangerie genutzt. Im oberen Abschnitt hängen kleine Citrus-Bäume in Blumentöpfen vom Stahlgerüst. Sie bestimmen die Funktion des Raums und spannen den Bogen zwischen der klassischen Form und unserer nutzungsorientierten Welt, in der das Material die Funktionalität unterstützen muss.

Der Pavillon ist temporär und kann bis 2018 in der Gl. Holtegaard besichtigt werden.

Die Orangerie