Parasite Pavillon

Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit müssen sich die Länder-Pavillons der Architektur-Biennale in Venedig nicht beklagen. Doch hier und da gibt es weitere, kleine temporäre Räume, die nicht so sehr im Fokus stehen. Dazu zählt auch der sogenannte Parasite Pavillon im Außenraum des chinesischen Pavillons. Er entstand als Teil der Veranstaltung „Synergy & Symbiosis“, die sich mit den besten Arbeiten der BiCity-Biennale UABB Shenzen / Hong Kong der letzten Jahre befasste. Eine davon war der sogenannte Bug Dome, ein organisch geformter Pavillon aus einem Geflecht von Bambus-Rohren nach einem Entwurf von Weak! Architects. Im sogenannten Bug-Dome-Workshop arbeitete eine Gruppe internationaler Studenten unter Leitung von Pier Alessio Rizzardi / TCA Think Tank nun an einer Symbiose dieses Konzeptes mit dem auf den ersten Blick konträren Ansatz orthogonaler Architektur. Zunächst bestand der Pavillon aus einem rechteckigen Hof, der durch einen umlaufenden Wandelgang gebildet wurde. Wenige Zentimeter breite Streifen aus PVC-Folie verkleiden Wände und Decken des Gangs in unregelmäßigen Abständen. So entstehen mehr oder weniger Einblicke ins Innere. In den Ecken des Hofes schichten sich viele kleine Podeste aus Betonteilen zu Sitzmöglichkeiten. Von ihnen aus hatte man einen guten Überblick über den Innenraum. Doch damit war bald Schluss. Denn nun integrierten die Teilnehmer des Workshops den Bug Pavillon. Er besteht aus 30 hintereinander auf Gitterdraht verankerten, oval zulaufenden Bögen. Verbunden sind diese Bögen mit einem unregelmäßigen Geflecht aus PVC-Rohren, die mit Kabelbindern an der tragenden Konstruktion befestigt sind. Der Boden im Inneren ist mit einer PVC-Folie belegt und mit Kies bedeckt, auf dem sich bei Sonnenlicht Tragstruktur und Verkleidung in unterschiedlicher Intensität als Schattenwurf widerspiegeln. Dadurch ergibt sich ein Tunnel, der zum Zentrum immer geräumiger wird. 2009 wurde dieser Raum für Konzerte, Lesungen, Podiumsdiskussionen und als Lounge für illegale Arbeiter benachbarter Baustellen genutzt. 2014 trat dieser revolutionäre Charakter dagegen etwas in den Hintergrund – der Raum dient um seiner selbst willen. Der organische Bug Dome ist nun mehr Durchgang als Aufenthaltsraum und führt in den Hof des orthogonalen Pavillons – ein gutes Beispiel für architektonische Synergie und Symbiose.

Parasite Pavillon