Tuisa – die Kulturen der Chaima

Das Madrider Museum Reina Sofia eröffnete seine diesjährigen Frühlingsausstellungen im Glaspalast Palacio de Cristal an der Plaza del Retiro.  Zu diesem Anlass konzipierte der Künstler Federico Guzmán aus Sevilla die Installation „Tuisa – Die Kulturen der Chaima“ - in Zusammenarbeit mit der Stiftung Donostia der Europäischen Kulturhauptstadt 2016 San Sebastian.

Der Begriff „Tuisa“ stammt aus dem Amazighischen, der Sprache der Berber, sowie aus einigen arabischen Dialekten. Er beschreibt die gegenseitigen Hilfe und Zusammenarbeit in einer Gesellschaft. „Tuisa“ ist auch die Essenz der Installation von Federico Guzman. Der Künstler ließ in diesem Projekt all seine Erfahrungen einfließen, die er während eines siebenjährigen Zusammenlebens mit den Nomaden der Sahara machte. Er vermittelt das Konzept in Form einer großen und bunten „Chaima“, eines Beduinenzeltes, das die Besucher in einem Raum der Gastfreundschaft und Kommunikation empfängt. Während der ganzen Dauer der Ausstellung werden in diesem Raum gemeinsame Aktivitäten, Workshops und Vorträge stattfinden.

Der Entwurf des Zeltes entstand zusammen mit der Architektin Charo Escobar - ausgehend von dem Design der „Melhfas“, den traditionellen Wickelröcken, welche die Frauen in einigen Teilen der Sahara tragen. Die Tücher wurden in einem eigens dafür organisierten Workshop von Frauen aus Bojador entworfen und gefärbt. Das Dach entstand aus einem mauretanisch anmutenden Kunststoffgewebe, das sich durch vielfarbige, geometrische Muster auszeichnet. Die „Chaima“ wirkt wie ein großes, farbenfrohes Gemälde, das durch die leichte Transparenz der textilen Wände das Leben im Inneren erkennen lässt. Es entsteht ein starker Kontrast zum Glaspalast – nicht nur durch die unterschiedlichen Materialien, sondern vor allem durch die Symbolik, die beide Bauformen suggerieren: der gesellschaftliche, politische und historische Kontext könnte nicht gegensätzlicher sein. Bis zum 30. August wird die „Chaima“ diesen Sommer im Glaspalast zu besuchen sein. Den Besucher erwartet im Inneren ein  spannendes Programm: Von Lyrik, über Filmvorführungen bis zu Vorträgen und Diskussionen ist für jeden etwas dabei. Federico Guzmans Arbeit verwandelt so den Glaspalast in einen Ort des interkulturellen Austauschs.

Tuisa