Daniel Buren – Zwei Werke für Recklinghausen, Kunstausstellung der Ruhrfestspiele Recklinghausen, 1. Mai bis 26. Juli 2015

Daniel Buren, einst als enfant terrible der Kunstszene gehandelt, gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten und einflussreichsten Konzeptkünstlern Frankreichs. Er wurde 1937 in Boulogne-Billancourt bei Paris geboren und studierte 1957 – 1960 Skulptur und Malerei an der École des Metiers d’Art sowie an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts in Paris. In Deutschland war er bereits 1972 auf der Documenta 5 vertreten, fünf beziehungsweise zehn Jahre später auch an den beiden darauffolgenden Ausgaben der Ausstellung in Kassel. Sein Markenzeichen sind die genau 8,70 cm breiten Streifen – „perfekte negative Formen“, wie er sie selbst bezeichnet – die er auf unterschiedlichsten Materialien und in allen räumlichen Situationen anbringt. Er arbeitet vorzugsweise im öffentlichen Raum. Dabei greift er die jeweilige Situation auf. Nicht, um sie zu verschönern, sondern um deren Wahrnehmung erst zu ermöglichen.

So hat er den Fußboden im Hauptbahnhof Wolfsburg gestaltet, die Haltestellen der Linie 2 der Straßenbahn in Mülhausen im Elsass, sowie den Grand Palais in Paris während der Monumenta 2012 durch ein Meer von farbigen Folienkreisen in buntes Licht getaucht. Weltweit sind seine Arbeiten zu sehen: 1971 stellt er im Guggenheim in New York zum ersten Mal aus,  er war auf der Triennale von Yokohama zu Gast und vor einigen Monaten auf der Kunstbiennale in Havanna.

Seit einigen Jahren verwendet der Künstler neben den Streifen auch Licht und Farbe, um die Wahrnehmung des architektonischen Raums zu verändern. So auch bei seinen beiden Arbeiten in Recklinghausen, wo er dieses Konzept an der großen Fensterfront der Kunsthalle sowie an der Glasfassade des Festspielhauses anwendete. Die Fensterfront der Kunsthalle beklebte er mit transluzenter Folie und gestattete dem Betrachter eine veränderte Außenansicht. Für die Verglasung des Festspielhauses entschied er sich für bunte, transparente Folie und veränderte dadurch sowohl den Anblick des Gebäudes von außen als auch die Wahrnehmung des Innenraums, in dem sich die Lichtfarbe und dadurch die Stimmung je nach Wetter und Tageszeit veränderten. Die Installation war vom 1. Mai bis zum 26. Juli zu sehen.

Einmal mehr stellte Daniel Buren damit seinen sensiblen Umgang mit dem architektonischen Raum unter Beweis. Er pflegt den ständigen Dialog mit der Architektur – sein Interesse für dieses Gebiet wächst nach eigener Aussage mit den Jahren immer mehr. Die Beobachtungen, die er auf seinen weltweiten Reisen gemacht hat, haben ihn die Verantwortung der Architektur verstehen lassen, vor allem ihren Einfluss auf das Glück oder die Verzweiflung der Menschen, die damit leben oder leben müssen. Diese Beobachtungen sind für den Künstler eine Quelle der Inspiration und der Empörung gleichermaßen.   

Daniel Buren – Zwei Werke für Recklinghausen