Mimikry - Murman Arkitekter

Tarnung hat meistens nicht viel mit Architektur zu tun. Architektur will gesehen werden. Sie soll repräsentieren. Anders ist es beim Entwurf eines Gebäudes im schwedischen Katthammarsvik im Osten der Insel Gotland: Die Inhaber des Architekturbüros Murman Arkitekter, Ulla Alberts und Hans Murman, schufen sich ein beinahe unsichtbares Ferienhaus. Inmitten eines Wacholderhains haben sie zunächst eine simple, rechteckige Holzkiste mit einer Grundfläche von gerade einmal 50 Quadratmetern gesetzt. Im Inneren befinden sich zwei Schlafzimmer, ein Wohn-, Koch- und Essbereich sowie eine in das Gebäude integrierte, nach Osten orientierte Terrasse. Soweit nicht ungewöhnlich. Der Clou: Mit einem Abstand von etwa 40 Zentimetern zur eigentlichen Fassade spannten die Architekten eine zweite Haut auf eine verzinkte Stahlkonstruktion rund um das Gebäude. Sie besteht aus einer PVC-Schicht, die mit Fotos der umgebenden Wacholderbäume bedruckt wurde. Große Fassadenöffnungen an den Terrassen sind dabei ausgespart, kleinere Öffnungen hingegen von der – aus der Nähe transluszenten – Kunststoffhülle verdeckt. Diese Mimikry des Gebäudes hat nichts mit einer misanthropen Veranlagung der Eigentümer zu tun – schließlich gehören die umliegenden Gebäude zu großen Teilen unmittelbarer Verwandtschaft oder Freunden. Vielmehr ist es eine Spitze gegen die konservative gotländische Baubehörde. Sie erlaubt zwar Neubauten, jedoch sollten diese sich gestalterisch an die traditionelle Baukultur zumindest anlehnen. Moderne Architektur – so die Empfehlung – solle sich hingegen visuell nicht von der umgebenden Landschaft abheben. Murman Arkitekter setzen diese Vorgabe konsequent um. Allzu schwer dürfte es ihnen nicht gefallen sein: Zu groß war der Spiel- und Experimentiertrieb der Architekten. Welche Auswirkungen hat die Tarnung eines Hauses auf seine Umgebung, welche auf die Nutzer? Wie verhalten sich Material, Textur und Farbe in unterschiedlichen Lichtsituationen und über einen längeren Zeitraum betrachtet? Die Idee brachte den schwedischen Kreativen eine Nominierung zum Building of the Year des World Architecture Festival in Barcelona ein.

Fotos: Murman Arkitekter

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