Eisenzement und Wasser – die Betonkanu-Regatta

Seit 1986 findet in Deutschland eine recht außergewöhnliche Regatta statt: Jeden Sommer und jeweils in einer anderen Stadt treten Studenten der dort ansässigen Hochschulen mit selbst entworfenen und gebauten Betonkanus gegeneinander an.

Beton als Material im Schiffsbau blickt auf eine lange Tradition zurück: Bereits im 19. Jahrhundert wurde das erste „Eisenbetonboot“ in Frankreich patentiert. Es wurde als günstiger und langlebiger Ersatz für Holzschiffe betrachtet. Das hohe Gewicht erschwerte das Manövrieren der großen Schiffe jedoch, dadurch blieben sie vorerst ein Nischenprodukt. Nach dem Ersten Weltkrieg belebte man die Bauweise wieder und setzte den armierten Beton hauptsächlich im kriegsverlustgeplagten Frachtschiffbau wieder ein. Auch im zweiten Weltkrieg wurden noch viele Eisenbetonschiffe in Serie hergestellt.

Das erste Betonkanu wurde Ende der 1960er-Jahre in den USA aus der Taufe gehoben. Der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie e.V. griff diese Idee auf und organisierte 1986 zum ersten Mal die Betonkanu-Regatta. Ziel war es, angehenden Architekten und Ingenieuren den Werkstoff Beton in seiner Komplexität spielerisch näher zu bringen.

Dieses Jahr stellten sich vor wenigen Tagen die Architekturstudentinnen und Studenten der TU Wien um Michael Schultes vom außeruniversitären Forschungs- und Entwicklungsinstitut für experimentelle Architektur experimonde | die Welt des Experiments [ӛ] der Herausforderung. Als einzige Gruppe von Architekten unter lauter angehenden Bauingenieuren schafften sie es, mit ihrer Konstruktion den zweiten Platz zu belegen. Ihr Kanu wies eine Besonderheit auf: Der Kanurumpf wurde von einem luftgeformten Verdeck aus transparenter RENOLIT-Folie nach oben abgeschlossen, was die Ruderer trocken halten und zudem das Kanu vor dem Volllaufen bewahren soll. Das Verdeck wurde von allen Anwesenden richtiggehend bestaunt. Passend zum Verdeck gab es für die Crew Schwimmwesten aus transparenter Zeltfensterfolie. Präsentiert wurde das erfolgreiche Konzept in dem eigens dafür entworfenen Pavillon, dessen aufblasbare „Seele“ aus RENOLIT-Folie von den Studenten selbst hergestellt wurde. Glückwunsch an das Team der TU Wien, die dieses Jahr zum ersten Mal an diesem spannenden Event teilnahmen!

Fotos: experimonde/Isabella Farkasch

Die Regatta