Klaus Pinter und experimonde - „Kunst am Bau“ im Musiktheater Linz

Für das neue Musiktheater Linz wurde 2011, noch während des Baus, ein Wettbewerb für „Kunst am Bau“ ausgeschrieben. Im Zuge dessen ging ein Auftrag an den österreichischen Objektkünstler Klaus Pinter. Er entwarf eine luftgeformte Skulptur, die er in Kooperation mit P. Michael Schultes von experimonde herstellte.

experimonde ist ein außeruniversitäres Forschungs- und Entwicklungsinstitut für experimentelle Architektur, dessen Fokus auf dem Bereich nachhaltiger Architektur mit Schwerpunkt membrane Gebäudehüllen liegt. Das in Österreich ansässige Institut veranstaltet außerdem regelmäßige Lehrgänge und Workshops mit Studierenden der Universität TU Wien – es verfügte also über die nötige Erfahrung im Umgang mit dem Material, um sich gemeinsam mit Klaus Pinter der Skulptur für das Musiktheater anzunehmen.  

Klaus Pinter geb. 1940 in Schärding am Inn/Oberösterreich, war Mitbegründer der Haus-Rucker-Co. (Wien, Düsseldorf) bzw. Haus-Rucker-Inc. (NCY). Seine Arbeiten sind unter anderem in den Sammlungen des MOMA Museum of Modern Art, NYC, des Centre National d'Art et de la Culture Georges Pompidou, Paris und des Museums Moderner Kunst, Wien vertreten. 1972 nahm er an der documenta 5 in Kassel teil.

Die Kooperation mit P. Michael Schultes und seinem Team von experimonde hat für den Künstler Tradition: Bereits in der Vergangenheit haben sie gemeinsam Kunstwerke aus Folien entwickelt, wie beispielsweise „Rotor #2“, ausgestellt im Museum Liaunig in Kärnten und in Cambrai, oder die Replik des berühmten Kultobjektes „Ballon für 2“ aus dem Jahr 1967 für die Kunsthalle Bielefeld (2009).

In Linz wurde zunächst in mehreren Arbeitsschritten die komplizierte räumliche Situation des Theaters in Form von Modellen im Maßstab 1:5 analysiert und das Kunstwerk, das vorerst nicht näher definiert war, für den Raum entworfen. Man kam darüber ein, dass sich die 20m tiefe Treppenhausschlucht des Theaters für eine große Installation eignen würde. So entwarfen und konstruierten Pinter als Künstler und Schultes als „Air-Engineer“ eine pneumatische Skulptur aus PVC in Form von zwei turbinenradartigen Scheiben mit eingefärbten Balken. Die luftgefüllten Scheiben besitzen einen Durchmesser von 10,5 bzw. 6,5 Meter und wurden an drei verschiedenen Orten produziert, um die Werkstatt-Mietkosten für experimonde auf ein Minimum zu reduzieren. 

Mit Hilfe zahlreicher Studentinnen und Studenten wurde das Objekt schließlich noch bei laufendem Baustellenbetrieb durch den örtlichen Bauleiter Josef Gappmaier installiert und pünktlich zur Eröffnung des neuen Musikhauses dem Publikum präsentiert.

Eine solche Art der Anwendung ist auch möglich mit schwer entflammbarer (B1), transparenter Folie in Superclear-Qualität, die primär für Fenster für Großzelte und für Bühnenbedarf hergestellt wird.

Fotos: experimonde

Musiktheater Linz