Tape Paris

Begehbare Installationen sind für die Besucher von Kunstausstellungen zumeist die reizvollsten. Hier kann man die Werke hautnah erleben und aus vielfältigeren Perspektiven wahrnehmen. Mit einer solchen Installation sorgte das internationale Künstlerkollektiv Numen / For use regelmäßig für Aufsehen. In mehreren Metropolen quer über den Globus verteilt haben sie bereits ihre amorphen, tunnelartigen Strukturen aus dickem, durchsichtigem Klebeband errichtet. Je nach Jahreszeit scheuen sich die Künstler nicht, sie wie in Örebrö über eine Wasserfläche, zwischen Bäumen in öffentlichen Parks oder in alten Industriehallen zu spannen. Das jüngste Werk der Künstler entstand nun in einem renommierten Museum für moderne Kunst in Paris: Im Foyer des 1937 errichteten Palais de Tokyo verklebten sie 44 Kilometer Klebeband. Bis zu fünf Personen können gleichzeitig in 6 Meter Höhe durch das 50 Meter lange Gebilde gehen – oder kriechen, je nach lichter Höhe der Tunnel. Mehr dürfen nicht hinein, auch wenn die Statik es vielleicht erlauben würde: die Auflagen für die Künstler sind sehr hoch, Sicherheit wird groß geschrieben. Verirren können sich die Besucher in dem Gebilde nicht. Zwar gehen hier und da ein paar blinde Gänge rechts und links ab, allerdings enden sie schon nach wenigen Metern. Innen fühlt man sich wie eine Raupe in ihrem Kokon. Ob man diesen jedoch als Schmetterling verlässt, sei dahingestellt. In Paris war die Installation Teil einer Ausstellung zum Thema „Metaphorischer Raum“. 30 Künstler machten sich hierzu Gedanken, die von den Kuratoren mit den folgenden Worten zusammengefasst wurden: „Auf dem Weg von einer Installation zur nächsten bleiben wir konstant in den Werken versunken, die uns in unserem Inneren führen – von unserem Körper bis zu unseren intimsten Gedanken.“ Schon jetzt sind wir gespannt, wo und in welchem Kontext der nächste Kokon begangen werden kann.

Tape Paris