Die Wolke

Rund 40.000 Menschen steigen täglich am Aarauer Bahnhof und Busterminal ein, aus oder um – er ist die zentrale Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs für die Region. Über die Jahre wurde es auf dem Bahnhofsplatz immer voller – und zwar unabhängig von der Zahl der Reisenden: Mobiliar, Kleinbauten, Blumenkübel und Kunstobjekte führten mit der Zeit dazu, dass der Platz kaum noch als solcher zu erkennen war. Nun wurde die 2009 beschlossene Neugestaltung des Platzes fertiggestellt. Das Züricher Büro Vehovar & Jauslin hat zusammen mit dem Aarauer Generalplaner suisseplan AG den Platz vollständig neu gestaltet: Anstelle von vielen Teilflächen findet der Besucher nun einen großen, zusammenhängenden, vom Verkehr befreiten Platz vor, dessen dominantester Punkt – die Bushaltestelle – von einem wolkenähnlichen, imposanten Dach gekrönt wird.

Ein leichtes Gebilde, lichtdurchlässig – so stellten sich die Architekten die Gestaltung dieses Daches vor. Ähnlich einer Lichtung im Wald sollte der Platz die Reisenden in einer hellen und freundlichen Umgebung begrüßen. Sie entwickelten eine organisch geformte Überdachung. Sie besteht aus einem luftgestützten Kissen aus Klarsichtfolie: Das Material ist sehr leicht, langlebig, witterungsbeständig und selbstreinigend. Hinzu kommen die vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten, die es mit sich bringt. Das Großkissen wird durch ein unregelmäßiges Netz von Stahlseilen in Form gehalten. Die obere Folie ist - anders als die untere – leicht blau eingefärbt, sodass auch an bewölkten Tagen ein Gefühl von blauem Himmel entsteht. Für die Folien entwickelten die Architekten zusammen mit dem Gestalter Paolo Monaco das an Schaumblasen erinnernde Bedruckungsmuster. Die Bedruckung spendet an sonnigen Tagen Schatten und hilft zudem, die Abstrahlung von direktem Licht in den nächtlichen Himmel zu vermeiden. Sämtliche Leitungen für Entwässerung, Umluft und Beleuchtung verlaufen unsichtbar im Konstruktionsinneren. Dass das Dach nicht wie eine technische Anlage, sondern luftig und leicht wirkt, ist dem Radolfzeller Ingenieurbüro formTL zu verdanken, das für die statische und technische Konzeption des Daches verantwortlich zeichnet. Dieses größte Folienkissen der Welt, das in der Region bereits liebevoll „die Wolke“ genannt wird, ist ein herausragendes Beispiel für das gelungene Zusammenspiel zwischen Funktionalität, zukunftsweisender Technologie und Ästhetik.

 

Fotos: Niklaus Spoerri

Der Bahnhofsplatz in Aarau