Die Architekturbiennale in Venedig

Am 23. November geht die 14. Architekturbiennale nach sechs Monaten zu Ende. Es ist das erste Mal, dass die Architekturbiennale länger als drei Monate läuft. Rem Koolhaas ist dafür verantwortlich. Es war sein Wunsch, als er die künstlerische Leitung übernommen hat. Damit wollte er die Architekturbiennale auf Augenhöhe zur Kunstbiennale bringen.

Unter dem Titel „Fundamentals“ versprach Koolhaas „eine Biennale über Architektur, nicht über Architekten.“ Nach einigen Biennalen, die das Zeitgenössische gefeiert haben, sollte dieses Jahr der Fokus auf der Entwicklung der elementaren Elemente liegen, die Architektur über die Jahrhunderte hinweg definieren: Wand, Decke, Tür, Fenster, Treppe etc. Im Hauptpavillon wurden in der von Rem Koolhaas kuratierten Ausstellung „Elemente der Architektur“ in 15 Räumen jeweils ein Element präsentiert: seine Anfänge, seine Formensprache und Funktion über die Jahrhunderte. Die Besinnung auf das Wesentliche und ein geschärfter Blick auf die Details sollen das Verständnis wecken, wieso unsere Welt so aussieht, wie sie aussieht – und zwar nicht anhand von  Prachtbauten und Vorzeigeprojekte ausgewählter Stararchitekten, sondern am Exempel des Alltäglichen und des manchmal auch Hässlichen. Die Anforderungen an den gebauten Raum werden in den Vordergrund gerückt, der Alltag und die daraus resultierende Funktionalität werden durchdekliniert – mit kritischem Blick auf die Digitalisierung der Architektur.

Erstmalig wurde den 65 teilnehmenden Ländern ein einheitliches Motto vorgegeben: "Absorbing Modernity: 1914-2014" – eine Rückbesinnung auf die nationale Architektur der letzten hundert Jahre. Mit dem Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag wurde Südkorea ausgezeichnet. Der von Minsuk Cho kuratierte Pavillon „Crow's Eye View: The Korean Peninsula“ vergleicht die Architektur und ihre Entwicklung in Nord- und Südkorea. Der Silberne Löwe ging an Chile für die Inszenierung des Fertigteilbaus – eine Ausstellung rund um die Platte, die Salvador Allende (von 1970 bis 1973 Präsident Chileshttp://de.wikipedia.org/wiki/Chile) einst von der UdSSR geschenkt bekam. Lobende Erwähnungen gab es für die Pavillons Kanadas, Frankreichs und Russlands.

„Elemente der Architektur“ im Hauptpavillon und den Länderausstellungen findet beides in den Giardini statt, einer Gartenanlage, als Ausstellungsgelände für die Biennale dient. Parallel dazu findet im Arsenale, der ehemaligen Schiffswerft der Republik Venedig, die seit 1999 einen Teil der Ausstellungen der Biennale beherbergt, die Ausstellung „Monditalia“ statt. 41 Architektur-Themen zeigen zusammen mit Beiträgen aus den Bereichen Tanz, Theater, Kino – die Überlappung der Bereiche ist ebenfalls ein Novum in der Geschichte der Architekturbiennale – im langen Raum der „Corderie“, einer ehemaligen Seilerei der Werft, ein ganzheitliches Bild Italiens.

Impressionen