Monika Linhard – Poesie im Alltag

Nicht immer ist es die große Geste, die unseren Alltag belebt und unsere Umgebung in ein spannendes Licht rückt. Oft geht es nur darum, wie wir das gewohnte Bild wahrnehmen. Dieses Thema beschäftigt die aus Bad Kissingen stammende Künstlerin Monika Linhard. Sie schafft Konzepte, Installationen und Objekte, die durch kleine Eingriffe in eine vertraute Situation diese neu interpretieren, setzt dem Alltag entnommene Gegenstände in einen neuen, unerwarteten Kontext und verändert dadurch sowohl ihre Bedeutung  als auch die Wahrnehmung der Ausgangssituation. Diese Eingriffe sollen inspirieren, vielleicht irritieren und sicherlich die Diskussion und die Kommunikation anregen. An zwei Projekten wird diese Herangehensweise deutlich:

Ornament verbindet

Kunststofffolie wird von Monika Linhard inzwischen aufgrund ihrer Leichtigkeit, der vielfachen Anwendungsmöglichkeiten und auch der vergleichsweise geringen Kosten bevorzugt. Bei der Doppelinstallation „Ornament verbindet“ entwickelte sie ein Konzept für zwei Museen in Würzburg: dem Mainfränkische Museum und dem Kulturspeicher. Sie ließ sich dabei jeweils von einem prägenden Ornament aus der Ausstellung des einen Museums inspirieren und integrierte es durch eine eigene Arbeit in die Ausstellung des anderen. Es handelte sich dabei um ein Weinranken-Ornament aus der Sulzfelder Winzerstube des 16. Jahrhundert in der volkskundlichen Abteilung des Mainfränkischen Museums und die Bildstruktur eines Gemäldes der Künstlergruppe Equipo von 1961 in der Sammlung Peter C. Ruppert im Museum im Kulturspeicher. Die Synthese der wesentlichen Details der ornamentalen Strukturen brachte sie in zeitgenössischer Übersetzung, überdimensioniert und abstrahiert als „Murat Blüte“ und „Camouflage“  mittels einer Installation aus Bauschutzfolie in die beiden Museen – ein Verbindungselement und Störfaktor zugleich.

Tütengeflüster

In der Mitte eines sonst leeren Raumes sind auf dem Boden auf einer Grundfläche von 5 x 5 Metern 12 Bühnenscheinwerfer angeordnet. Das gefilterte, grün strahlende Licht ist zur Decke gerichtet. Über den Scheinwerfern schweben auf Augenhöhe dünne Einwegtüten dicht an dicht als Wiederholung der durch die Scheinwerfer definierten Fläche. Die nach unten geöffneten Tüten fangen nicht nur das Licht auf, sondern auch die Wärmewellen. Dadurch geraten sie in Bewegung. Leise rascheln sie vor sich hin – kaum wahrnehmbar, aber beständig. Die Besucher betreten den Raum und nach ein paar Schritten bleiben die meisten mit geschlossenen Augen stehen. Sie nehmen die Installation mit allen Sinnen war – sie hören das Rascheln, das entfernt an Geflüster erinnert. Sie nehmen die Wärme des Lichts wahr. Sie riechen den von den aufgeheizten Folien der Lichtfilter und der Tüten ausgeströmten Geruch. So präzise die Ausführung der Installation ist, so unterschiedlich und individuell sind die Eindrücke, die sie bei jedem Besucher hinterlässt.

 

Fotos: Monika Linhard

Installationen aus Kunststofffolie