Bosso Fataka – Berliner Street Art

Nichts ist für die Künstlergruppe Bosso Fataka uninteressant, wenn sie auf den Straßen von Berlin nach Material für ihre Kunst sucht: durchgelegene Matratzen, ramponierte Einkaufswägen, defekte Kühlschränke und Fernseher, kaputte Fahrräder, ausrangierte Möbel oder demolierte Autoteile. Mit Unmengen gewöhnlicher Frischhaltefolie befestigen sie ihre Fundstücke irgendwo im öffentlichen Raum: ganz oben an einem Lichtmast, an einem Straßenschild, auf Bäumen, an Bushaltestellen oder auf Brücken. Es entstehen eigenwillige skulpturale Eingriffe, die den einen begeistern und den anderen verärgern. Immer sind sie gut befestigt, denn es soll niemand durch herunterfallende Teile verletzt werden. Zu erkennen sind ihre Werke an dem Logo der Gruppe: BF ist mit einer Schablone auf die Folie gesprayt.

Bosso Fataka besteht aus vier Männern Mitte bis Ende zwanzig. Sie nennen sich Klärchen, Baum, Falkland und Pateh, da sie unerkannt bleiben möchten. Im Alltag studieren sie Architektur und Design. Einer von ihnen arbeitet bereits als selbstständiger Architekt. Teilweise kennen sie sich seit ihrer Schulzeit; ihre Vorliebe für Folie begann allerdings erst später bei einem Hochschulprojekt. Dort entdeckten sie die Vorzüge des durchsichtigen Verpackungsmaterials. Auf ihrer Facebook-Seite dokumentiert die Gruppe ihr Schaffen, denn der größte Teil ihrer Kunst ist temporär. Noch betrachten viele ihre Kunst als öffentliches Ärgernis oder gar als Sachbeschädigung. Meist entfernt die Stadtreinigung deshalb die Skulpturen nach kürzester Zeit. Bosso Fataka stört das nicht, denn ihre Kunst ist nicht für Dauerhaftigkeit konzipiert.

Gegenwärtig etabliert sich Street Art international jedoch zunehmend als eigene Kunstrichtung. Und so verwundert es kaum, dass auch Bosso Fataka sich erstmalig ganz offiziell bei einer Berliner Street-Art-Ausstellung präsentiert. Dort soll ihre bislang größte Skulptur entstehen. Wie diese ausschauen wird, weiß die Gruppe auch noch nicht. Dies hängt von ihren Fundstücken aus dem Sperrmüll ab.

 

Fotos: Bosso Fataka

Bosso Fataka