Regeln schaffen Transparenz

Im April 2013 hat die RAL Gütegemeinschaft Kunststoff-Fensterprofilsysteme das neue Gütezeichen RAL-GZ 716 verabschiedet. Erstmals stellt RAL damit bei der Bewertung von Profilsystemen den Systemgedanken in den Fokus. Was bedeutet das neue Gütezeichen an neuen Verpflichtungen, aber auch an Chancen für die Systemgeber und ihre Zulieferpartner? Diesen Fragen ist eine Expertenrunde des Wormser Folienherstellers RENOLIT SE auf den Grund gegangen: Geschäftsbereichsleiter Stefan Friedrich, F&E-Leiter Dr. Dirk Heukelbach und Produktmanager Franz Josef Weber.

Das neue Gütezeichen hat im Mai 2013 das alte Prüfzeichen für Fensterprofile abgelöst, das 1998 erstmals eingesetzt und 2008 modifiziert worden war. Damit hat die Gütegemeinschaft jetzt eine Bewertungsmethodik geschaffen, die alle Bauteile in Summe betrachtet. Die Voraussetzung für diese Systembewertung ist, dass zuvor alle Komponenten auch einzeln nach der gleichen Systematik bewertet werden. Dadurch bleibt das Risiko für die Profilhersteller kalkulierbar, denn „schließlich übernehmen sie die Verantwortung für das gesamte System“, unterstreicht Stefan Friedrich die anspruchsvolle Sachlage. Für den Fensterhersteller wiederum bedeutet das ein hohes Maß an Sicherheit – vorausgesetzt, er verändert das System nicht. In einem solchen Fall würde eine Nachprüfung gemäß der RAL-GZ 695 des VFF fällig, wie Friedrich betont.

Alle Komponenten benötigen ein Zertifikat
Entsprechend der Produktvielfalt ist die RAL-GZ 716 sehr differenziert aufgebaut. Sie gilt ausschließlich für Kunststoffprofile und unterscheidet im ersten Abschnitt zwischen Profil- und Oberflächenvarianten. Im zweiten Abschnitt formuliert sie die Prüfbedingungen für die Komponenten und den Kaschierprozess. Der entscheidende Fortschritt gegenüber dem alten Prüfzeichen liegt maßgeblich in diesen Details: „Die Anforderungen an die Kaschierfolie und den Klebstoff wurden entweder erhöht oder auch – wie beispielsweise für die Klebverbindungen – zusätzlich eingeführt“, beschreibt Dirk Heukelbach die Entwicklung. Vor dem Hintergrund der Langlebigkeit wird nun der gesamte Systemverbund aus Folie, Klebstoff und Profil sechs Wochen lang unter einer Temperaturbelastung von 70 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent getestet.

Beim Bewitterungstest müssen die Folien mindestens die Bedingungen nach M20 erfüllen. Das entspricht einer Bestrahlung von 10.000 Stunden durch spezielle Xenon-Lampen bzw. einer Aufnahme von 20 Giga-joule pro Quadratmeter. Zusätzlich werden die Testobjekte in regelmäßigen Abständen beregnet. Unter definierten Laborbedingungen dürfen sie sich nicht höher als auf 66 Grad Celsius erwärmen. „Ein standardisiertes Messverfahren zur Bestimmung der Oberflächentemperaturen ist unbedingt erforderlich, um reproduzierbare und damit objektiv vergleichbare Resultate zu erzielen“, betont Franz Josef Weber die Notwendigkeit dieses Standards.

Zur Einführung von RAL-GZ 716 wurde eine dreijährige Übergangsfrist vereinbart, die am 31. Dezember 2016 ausläuft. Bis zu diesem Datum können so genannte Altsysteme die bereits gemäß RAL-GZ 716/1 zugelassen sind, nach einer Systemprüfung das Gütezeichen erhalten. Alle Systeme, in denen neue Komponenten eingesetzt werden, müssen bereits heute nach den neuen Richtlinien geprüft werden.

Hohes Niveau weiter ausbauen
Für RENOLIT selbst bedeuten die Rahmenbedingungen für das neue Gütezeichen keine große Umgewöhnung. „Schließlich haben wir mit den klassischen Tugenden Qualitätsbewusstsein und Sorgfaltsstreben die Grundlage für unseren Erfolg gelegt“, erklärt Stefan Friedrich und fügt hinzu: „Für unser Standardprodukt RENOLIT EXOFOL MX haben wir die Mindestanforderungen M20 schon immer übererfüllt und bewegen uns damit zum Großteil auf dem höheren Niveau der Bewitterungsklasse M30.“

Da sich die RAL-Gütezeichen nur auf den deutschen Markt beziehen, wird dort lediglich nach den Klassifizierungen M20 und M30 zertifiziert. Die Produktlinien RENOLIT EXOFOL PX und RENOLIT EXOFOL FX sind jedoch auf Bedingungen ausgelegt, wie sie nur außerhalb Deutschlands existieren. RENOLIT EXOFOL PX hält 40 Gigajoule pro Quadratmeter stand, was theoretisch M40 entspricht. RENOLIT EXOFOL FX verkraftet sogar 50 Gigajoule pro Quadratmeter und wurde mehr als 25.000 Stunden der künstlichen Bewitterung ausgesetzt. Damit erfüllt die Außenfolie mit der zusätzlichen PVDF-Schicht die Bedingungen für M50 und übertrifft die Standards des RAL-GZ 716 um das 2,5-fache.

Expertenwissen ist gefragt
Diese Stärken ergänzen zahlreiche weitere Faktoren, die über die RAL-Anforderungen hinausgehen. „Die bewährte Verarbeitbarkeit zählt ebenso dazu wie die hohe Sicherheit in der Handhabung und die Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen“, zählt Franz Josef Weber auf. Was auch vor dem Hintergrund der neuen RAL-Standards für zusätzliche Sicherheit sorgen dürfte, denn die Komponenten eines Profilsystems werden frei und unabhängig voneinander durch neutrale Prüfinstitute getestet. Dadurch erhält der Fensterhersteller ein vollständiges Paket durchgeprüfter Komponenten, was die Belastbarkeit des gesamten Systems erhöht.

Die Komponentenvielfalt ist allerdings derart vielfältig, dass nicht alle denkbaren Kombinationen vorab auf den Prüfstand gestellt werden können. „Der Systemhersteller ist deshalb gut beraten, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten und im Zweifel die Experten seiner Partner zu Rate zu ziehen“, bietet Stefan Friedrich Unterstützung an. Darüber hinaus stehen der Fachwelt wie dem Endverbraucher sämtliche Informationen über Systeme und Komponenten zur Verfügung. Und die RAL genießt ja, obwohl sie sich ausschließlich um Vorgänge im deutschen Markt kümmern kann, auch international hohes Ansehen.

 

Das Unternehmen
Die RENOLIT Gruppe zählt zu den international führenden Herstellern hochwertiger Kunststoff-Folien und verwandter Produkte für technische Anwendungen. Das unabhängige Familienunternehmen setzt seit über 65 Jahren Maßstäbe in Qualität und Innovation und beschäftigt heute rund 4.500 Mitarbeiter an mehr als 30 Produktionsstandorten und Vertriebsgesellschaften. Im Geschäftsjahr 2014 hat die Unternehmensgruppe einen Umsatz von 915,8 Millionen Euro erwirtschaftet.

 

Bildunterschriften:

Motiv Diagramm:
Beim Xenotest setzt RENOLIT das Niveau traditionell hoch an und übertrifft mit dem Spitzenprodukt RENOLIT EXOFOL FX den Standard von RAL-GZ 716 um das 2,5-fache.

Motiv Lichtbogen:
Der Lichtbogen der Xenon-Lampen belastet die RENOLIT Folien mit bis zu 50 Gigajoule pro Quadratmeter.

Motiv Bewitterung:
Eine Freilandbewitterung gehört zum Pflichtprogramm der Langzeittests, um alle Wettereinflüsse erfassen zu können.

Motiv Oberfläche:
Die Überprüfung der Qualität von Druck und Prägung erfordert ein geübtes Auge.

Motiv Fenster:
Mit ihrer breit gefächerten Dekorpalette setzen RENOLIT EXOFOL Produkte architektonische Akzente.

 
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